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Radikal jung?

Sehr geehrte Ausrichterinnen des Festivals „radikal jung“.

Über meine Hochschule Akademie für Darstellende Kunst Baden-Württemberg habe ich von ihrer Ausschreibung erfahren. An und für sich würde ich gern ihr Festival besuchen. Ich bin jung und radikal. Wir passen also Arsch auf Eimer. Selbst wenn die Radikalität sich ausschließlich auf das Alter beziehen sollte, liege ich im Raster: Ich werde 2014 mit 25 Jahren meine Regieausbildung abschließen.

Als ich mich näher mit dem Programm und den darin aufgeführten Regisseurinnen befasste, fiel mir auf, dass Sie keine einzige Inszenierung einer Frau im Programm haben. Jetzt habe ich den Eindruck, Ihr Festival macht sich einen Spaß aus den Bewerberinnen.

Ihrem Internetauftritt entnehme ich nicht explizit, dass Sie ein Festival für männliche Schauspielregie sind. Als studentin einer reinen Frauen-Regieklasse frage ich mich, ob Sie und ich uns im selben Jahrhundert befinden. Das kann unmöglich Ihr Ernst sein. Die fünfziger Jahre haben angerufen, sie wollen ihren Intendanten zurück.

Ich habe keine Lust auf Ihr Festival. Was soll mir ein Konzept schon nahe bringen, das es nicht schafft, auch nur eine einzige weibliche Regisseurin zu gewinnen? Die Theaterherrschaft der Schwänze hat ihre Grenze. Ihre einzige Radikalität besteht in Ihrer radikalen Verfechtung des hegemonial-männlichen Kunstdiskurses. Ich komme erst, wenn Sie ein paar Jahre lang zum Ausgleich reine Frauenrunden für ihr Festival einladen. Bis dahin können Sie und Ihr Festival mir gestohlen bleiben. Mit freundlichen Grüßen,

herrmann herman

Ps: Bitte beachten Sie, dass ich diesen Briefwechsel zu Dokumentationszwecken öffentlich führe.

Ich möchte alles (verstehn)

Herrmann Herman tut seine wichtige Meinung zum Thema Überfremdung und Unterbelichtung kund. Darauf haben wir schon lange gewartet.

Menstruationsvorlage


Das lange fällige Lied zum Thema: Menstruieren, bis das Patriarchat zerfließt!

Leute wie Lantzschi :(

Männerrechtler Herrmann C. Herman sagt endlich mal Bescheid, was los ist. Es ist nämlich so: Schuld sind die Feminazis, allen voran Rädelsführerin Nadine Lantzsch.

Robin Hood schlachtet die heilige Kuh Eigentum und alle machen mit.

Hier stelle ich euch einen Peformanceaufbau vor, von dem ich neulich gehört habe. Er ist kein Aufruf zum Nachmachen, sondern ein künstlerisches Konzept, das diskutiert werden kann.

Das Theater der Kritischen Kriminalität

1. Streich
Alle Spieler_innen befinden sich auf der Bühne. Sie spielen Figuren, die an ihre eigenen Personen angelehnt sind, diese stilisierten Figuren erzählen von sich (Beruf, Ausbildung, finanzielle Situation, Persönliches, …). Nach und nach formulieren sie ihre Sorgen, Ängste und Wünsche. Es kristallisiert sich heraus, dass sich alle Anliegen auf materielle Wünsche zurückführen lassen. Eine_r wünscht sich ein schickes Kleid, eine_r warme Winterschuhe, eine_r Nahrungsmittel, eine_r Schnaps und Zigaretten, eine_r Tampons, eine_r etwas zum Spielen für ihre kleine Schwester. Es gibt unterschiedliche Dringlichkeiten und unterschiedlich nachvollziehbare Wünsche, sodass die Grenzen des Akzeptierens (Mundraub, aus Hunger/Bedürftigkeit ein Verbrechen begehen) und des Entrüstetseins (faul und gierig, nur an blindem Konsum interessiert) fließend verlaufen können.
Sie kündigen an, sich nun gegenseitig ihre Wünsche zu erfüllen.
2. Streich
Die Spieler_innen kündigen an, dass sie das Theater für etwa eine Stunde verlassen werden. Sie laden die Zuschauer_innen ein, sich mit ihnen an einem verabredeten Eingang des Einkaufszentrums wiederzutreffen. Am Treffpunkt versammelt sich das Publikum. Die Spieler_innen betreten den Laden/die Mall und stehlen mit gegenseitiger Hilfe die gewünschten Gegenstände. Sie verlassen den Laden, treten je nach Bedarf die Flucht an und treffen die Zuschauer_innen am ursprünglichen Spielort wieder. Die Zuschauer_innen begeben sich zurück zumTheater, wenn sie sehen, dass die Spieler_innen den Laden verlassen haben.
3. Streich
Die Spieler_innen verteilen untereinander die gewünschten und gestohlenen Gegenstände und freuen sich darüber.
Ende.

Vorbereitungsphase/Probenzeit:

In der Probenzeit werden die geplanten kriminellen Handlungen diskutiert und geplant. Recherche über die Schlechtigkeit der Konzerne, den Staat und den Neoliberalismus ganz allgemein. Diskussion über Abhängigkeit, Konsum, Eigentum, Kriminalität, Gewissen, soziale Verantwortung & Co. Entscheidungsfindung: Welche Filialen welcher Ketten werden bestohlen? Auf welche Weise? Fluchtwege, Trainings, Observation der konkreten Objekte, Zusammenspiel der Gruppe, etc. Figuren und Text entwickeln.
Variante: im ersten Akt fragen die Spieler_innen im Publikum nach, „wir gehen später noch zu H und M, wollen Sie auch was?“ und erfüllen im 2. Und 3. Akt die Wünsche einzelner Zuschauer_innen. Dadurch machen sie sie zu Mittäter_innen.
Fragen an das Konzept:
- Machen die Spieler_innen ihre Methoden öffentlich, zB im 1.Streich, oder bleibt es ein „Zaubertrick“?
- Müssen/sollten die Spieler_innen (zB aus ihren mehr oder weniger fiktiven Biografien) begründen, wieso es in ihrem Falle gerechtfertigt sei, das Eigentumsdiktat zu durchbrechen? Sollten sie es gerade nicht begründen/moralisch einleuchtend argumentieren, weil es FÜR ALLE gerechtfertigt ist, das Eigentum von Großkonzernen nicht zu respektieren?
- Vorbereitung auf juristische Situationen?
- Wer spielt mit, wer übernimmt die Verantwortung, welches Haus oder welche Spielstätte kann/darf/will eine solche Performance zeigen?

Was mich daran interessiert:
Ich liebe Performance-Situationen, in denen nicht nur gespielt wird, dass etwas geschieht, sondern gleichzeitig eine wirkliche Handlung außerhalb der Gespielten ausgeführt wird. Als würde jemand auf der Bühne einen Kuchen backen, mit richtigen Zutaten, einem richtigen Backofen und richtigem Zuckerguss darauf.

Ich frage mich, wie weit die künstlerische Freiheit geht und wie sehr ein Publikum sich zu Zeug_innen/Mittäter_innen machen lassen würde.

Ich finde es spannend über Umverteilung im Kleinen nachzudenken. Was passiert, wenn alle sowas machen würden? Gesetze und Vorschriften funktionieren nur, weil sich die meisten daran halten. So viel Polizei kann es auf der Welt gar nicht geben, um alle unter Kontrolle zu halten. Die Kontrolle sind wir selbst, wir kontrollieren uns und halten uns an die Spielregeln.

Mir gefällt die Provokation.

Mir gefällt die Perspektive des Konzeptes: Kunst oder Theater der Kritischen Kriminalität.

Mich interessiert, wie sich eine Gruppe, die ein solches Konzept erarbeitet, entwickelt; wie sie mit den ganz konkreten Gefahren und Schwierigkeiten umgeht. Hier geht es um mehr als eine verpatzte Aufführung, denn die Teilnehmer_innen einer solchen Performance setzen ihre Freiheit (sofern sie sie besitzen) aufs Spiel.