a) vom hohen Ross/ Klassismus
b) Kostümball/ Dekonstruktion
c) keine Grabscher/ Slutwalk-Feminismus
a) Wie komme ich dazu, einen ausführlichen Artikel über Daniela Katzenberger zu schreiben, der nichtmal ein Rant ist? Wie passt sie in mein Leben und auf diese Seite?
Eins vorweg: Ich bin Fan. Vor etwa einem Jahr sah ich sie das erste Mal im Fernsehen, bei den Vox-Auswandernden. Sie stöckelte durch Los Angeles und versuchte verzweifelt, als Model für den Playboy engagiert zu werden. Doch aus der 08/15-Vox-TV-Story entblätterte sich nach und nach eine faszinierende Frau, die überhaupt nicht so leicht zu erfassen ist, wie es auf den ersten Blick erscheint. Classism und Lookism täuschen allzu leicht all jene*, die sich Sendungen wie Katzenberger & Co. herablassend ansehen um sich über die Protagonist_innen zu erheben; Unterschichtenbashing (hier gilt: Alle Schichten, die gefühlt unter der eigenen liegen, sind Unterschicht) macht Laune und hält das System am Laufen.
Ästhetik der Privaten.
Es steht mir nicht zu und ist überdies müßig, mich über Daniela Katzenbergers Habitus zu erheben. Sie ordnet sich bewusst und gerne ihrer Sozialisierung in Oggersheim, dem Ludwigshafener Berlin-Wedding zu. Sie steht auf Trash, sie weiß, dass es Trash ist, und benutzt ihn dennoch ernst und nicht ironisch.
So wie mein Schlabberpulli und die kurzen Haare mich als alternative Studentin und weiterführend einem weißen, akademischen Elternhaus abkömmig outen, haben wir bei ihrem ellenlange Platinblond und den zahlreichen Wimpernschichten förmlich die Kneipe ihrer Mutter („Im Bett“) und die Ausbildung zur Kosmetikerin vor Augen.
Authentizität. Das Bürgertum*, das bestrebt ist, sich zu bilden und sich selbst künstlich zu schaffen und immer weiter zu bilden, ist auf der Suche nach Echtheit, Einfachheit, Authentizität.
Wir erfreuen uns an den farbenfrohen Auswüchsen des proletarischen Zeitgeists, den wir nur aus dem Fernsehen kennenlernen können und wollen – selbst stramme jungakademische Gewerkschaftslinke, die sich gern solidarisch proletarisch geben, kämen nicht auf die Idee, den wirklichen Stil der Arbeiter_innenbezirke dieses Landes aufzunehmen. Die Welt der Katzenberger erscheint simpel und verständlich: Frauen sind Plaudertaschen und wollen gut aussehen, Karriere machen bedeutet, regelmäßig im Fernsehen zu sein und sich künstliche Brüste leisten zu können.
b) Daniela Katzenberger erscheint als hundertmal gesehen und reproduziertes Objekt der Privatsenderproduktion. Ausgiebig gestylte Sexbombe, Marionette von Produzent_in, Redakteur_in und Co., die naiv daran glaubt, dass ihre erbärmlichen Modelträume in Erfüllung gehen, weil sie ihre studiogebräunten Brüste in die Bildschirme unserer Wohnzimmer beamt. Aber diese beschränkte Sichtweise ist die Falle, in die uns Frau Katzenberger zu locken versteht. Bewusst entscheidet sie sich für Plastikglamour und Glitzerlipgloss, unverhohlen bedient sie die lookistischen Anforderungen der Fernsehgesellschaft, die einer Frau ihrer Herkunft und Sozialisierung sowieso kaum eine andere Art der Fernsehkarriere zugestehen würden. Damit meine ich: Die gelernte Kosmetikerin mit Pälzischem Dialekt hat sich nicht gegen die vielen, ganzkörperbekleideten Jobangebote von Nachrichtensprecherin über Polittalkerin bis zu Auslandskorrespondentin und für ein Dasein als blondes Bunny entschieden sondern nur für Fernsehen an sich und das hieß in ihrem Fall: Bunny oder gar nicht im TV.
Da ist sie nun und kreiert sich selbst als Kunstfigur und erscheint dabei in total control of it.
Sie hat die Mechanismen durchschaut und wer genau zuhört, dem_der verrät sie das augenzwinkernd: Oft genug weist sie darauf hin, dass viele überrascht sind, dass hinter ihrem Barbielook ein heller, eigenständiger Kopf steht. Wie sie wird, was sie ist, dürfen wir in fast jeder Folge ihrer Reality-Soap live miterleben. Ihr Styling kommentiert sie wie eine Kostümprobe, etwa wenn sie sich und uns fragt, ob sie auf „elegant“ oder doch eher auf „preiswert“ machen soll. Dadurch, dass sie offen ausspricht, dass ihren Brüsten, Haaren und was nicht allem noch künstlich nachgeholfen wurde, spiegelt sie deutlich die Kultur und den Zeitgeist, in der sie fernsehprominent werden wollte und inzwischen auch ist. Die Castingreihe „Katze sucht Katze“, in der sie und Produzent Bernd Schumacher nicht müde werden zu betonen, dass es nicht um Form und Inhalt sondern um pures Entertainment gehe, ist wie der Höhepunkt der Katzenbergerschen Dekonstruktion.
c) Nicht nur ihre große Klappe, aus der Zitate wie „Ich bin sogar so emanzipiert, dass ich dafür bin, dass die Wissenschaft erforscht, wie die Männer die Babies kriegen können. Aber die meisten Männer finden das irgendwie doof“ oder „Siehst du dich als Sexbombe?“ – „Naja, eigentlich nur als Bombe.“ heraussprudeln wie bei anderen Leuten Börsenzahlen macht sie eines geheimen Feminismus verdächtig.
Daniela Katzenberger gelang es, aus der Objektpostition herauszutreten und zum selbstbestimmten (soweit das in der TV-Welt überhaupt möglich ist…) Subjekt zu werden. Die Verkleidung des Objekts trägt sie immernoch. Ihr traut man* es nicht zu, dass sie den ganzen Zirkus durchschaut und so sieht die Kultur- und Medienbourgeoisie, was sie sehen will. Dass das geschminkte Tierchen nicht auf Kommando Weibchen macht, sondern im Gegenteil die, die sie verlachen, an der Nase herumführt, ist wundervoll und wird von den wenigsten bemerkt. Dabei karikiert die Katzenberger nicht das Wesen oder die Funktionsweise von Fernseherfolgen, sie liebt sich und das, was ihre Kunstfigur repräsentiert.
Sie führt lediglich den sie objektifizierenden, voyeuristisch-herablassenden Blick ihrer hasslüsternden Zuschauer_innen* auf sie als scheinbares Dumpfbackenblondchen vor.
Wieso auch sollte sie etwas anderes tun? Sie wollte ins Fernsehen.
Wieso sollte sie denn für den Babylohn einer Kosmetikerin oder unglamourös als Kellnerin in Muttis Kneipe schuften?
Sie begreift ihre konstruierte Sexualität in Kombination mit ihrer sympathisch-bodenständigen Persönlichkeit als Ware und weiß diese klug zu Geld zu machen.
Auch ihrem Instinkt für Machos und selbsternannt väterliche Prediger (wie zum Beispiel Jürgen Drews in der letzten Folge) kann sie vertrauen und diese Jungs haben bei ihr nichts zu lachen. Eiskalt lächelnd watscht sie nämlich die unangenehmen Macker reihenweise ab.
Auch schon häufig Thema in der Katzenberger-Soap war ihre „Platzangst“, die in Wirklichkeit die Angst ist, von fremden Menschen/Männern bei öffentlichen Auftritten bepfiffen und begrapscht zu werden. Denn wie sie regelmäßig richtig feststellt, gibt ihr freizügiges und marketingstrategisch überfeminisiertes Äußeres keinen Grund und keine Rechtfertigung, in ihre Privatsphäre einzudringen, sie ungefragt zu berühren oder auch nur anzusprechen.
Das schließt dann auch den Kreis dieses Textes zu meinem aktuellen Lieblingsthema: Den Slutwalks! Ich bin beim Berliner Slutwalk dabei und hoffe, ihr sucht und findet auch einen in eurer Nähe!
Bis dahin – GO DANIELA KATZENBERGER!
*hiermit meine ich immer jeweils die hasslüsternen Unterschichtenbasher_innen – you know who you are
classism daniela feminismus haare katzenberger kritik lookism sexism vox
Ich habe Daniela Katzenberger bisher immer nur für ein paar Minuten gesehen, wenn ich beim Zappen in ihre Sendung geraten bin. Jedenfalls ist die Frau nicht auf den Mund gefallen. Sie hat einen Humor, der typisch ist für bestimmte Stadtgebiete in Ludwigshafen (auch in Mannheim) und mir sehr gut gefällt. Spontan hätte ich bei ihr jetzt auf den „Hemshof“ getippt, Oggersheim ist meiner Meinung eigentlich schon zu „bürgerlich“, schließlich wohnt Helmut Kohl dort. Mein Lieblingsspruch von ihr: „Ich steh auf ausgefallenen Sex – meistens fällt er aus.“
ich zappe ja nur durch blogsport. und nun kenne ich diese katzenberger auch. juch hu.
Ich hab sie zum ersten mal in dieser Auswanderer-Sendung gesehen und fand sie irgendwie gut. Auch wenn ich ihr Ziel, an den alten Hefner ranzukommen, nicht ganz nachvollziehen konnte
Danke. Wunderbar. Habs schon immer gern gekuckt – aber jetzt hab ichs noch lieber.