this is boring

aber hier gehts weiter:

techno candy

ist ab jetzt da wo ich hauptsächlich schreibe

viel spaß! bis bald!

andy misandry

Irgendwas über Körper III – Playing Bromance

Kleine Anleitung für gemischte Räume.

Worum es geht: Den männlichen Körper angreifbar und sichtbar machen. Mit allem, was von der patriarchalen Dominanzfigur weißer Heteromann abweicht, solidarische Verbindungen knüpfen. Nutz diese Taktik mit Bedacht. Sie funktioniert nicht immer und überall, aber doch oft. Sie dient dazu, dir einen Handlungsspielraum in von Typen dominierten Räumen oder am Arbeitsplatz zu geben. Aber pass auf: Die meisten Typen haben viel Erfahrung darin, mit ihrer Langweiligkeit und Dummheit Raum zu besetzen. Viel Glück!

Du brauchst eine Voraussetzung, auf der alles aufbaut: Du musst dir sicher sein, dass du witziger, stärker, schlauer und besser bist als sie und dass es eine Leichtigkeit für dich ist, sie niederzumachen. Wenn dir das erstmal schwer fällt, dann finde etwas, in dem du besser bist. Irgendwas. Eine Kippe drehen, oder schmutzige Witze erzählen, usw.

Es geht darum, recht nett, aber doch ironisch zu sein. Wütende_r Feminist_in ist hier nicht angesagt, das kann vielleicht später kommen. Hier spielen wir ein anderes Spiel.

Rede viel. Vor allem über dich selbst. Was du gut kannst, was du für tolle Sachen erlebst, usw.

Frag sie viel und kommentiere, was sie machen. Sag auch „Hübsches T-Shirt“ oder „Wie süß du dein Outfit abgestimmt hast.“ Komplimente machen sie nieder, weil du bestimmst, worauf du den Fokus legst (auf ihre Äußeres nämlich). Es gibt auch Kontroll-Komplimente, die dem Gegenüber eine Intention unterstellen und diese gleichzeitig ins Lächerliche ziehen, z.B.: „Wow, du willst heute wohl besonders seriös wirken!“

Fass sie an. Körperliche Grenzüberschreitung sind sie kaum gewohnt, daher verstehen sie nicht, was es bedeutet. Aber sie spüren, dass ihre Integrität nicht (mehr) gewahrt ist und das macht sie unsicher.

Mach viele Witze. Mach Witze, in denen du sie niedermachst, aber auf eine ironische Art und Weise. Sag zum Beispiel: „Na du bist aber tollpatschig!“ und tu so, als sei das nett gemeint. Vermische deine bösen Witze mit Situationen, in denen du total nett und hilfsbereit bist.

Solidarische Verbindungen knüpfen: Behandle alle anderen mit Respekt und versuch sie, auf Augenhöhe zu empowern, v.a. wenn sie den Typen Ehrfurcht entgegen bringen. Achte darauf, ihnen Gegenüber nicht soviel Raum einzunehmen, obwohl du es vielleicht könntest. Baue Bindungen mit ihnen auf, die ernst und solidarisch sind und nicht davon handeln, wer besser ist. Das werden auch die Typen spüren, und sie werden dich um diese Verbindungen beneiden und sich noch mehr wünschen, sie wären so wie du.

Herzlich Willkommen sind weitere Tipps zur Ausweitung der Handlungszone. Vor allem frage ich mich, wie mit Menschen umgehen, die auf die Frage nach Hobbies und Interessen ausschließlich Sachen aufzählen, die mit ihrem Boyfriend zu tun haben.

Danke an V. dier mich diese Strategien gelehrt hat!

Irgendwas über Körper II

Über Passing
Die Scham vor sich selbst und Allen, die mensch kennt, die aus dem Spiegel gucken und die beurteilen ob mensch es gut macht, dieses trans. Da folgt auf jeden Fail noch einer und noch einer. Diese Erwartungshaltung, die an mich herangetragen wird, als trans Typ dinge zu produzieren und zu performen, die den meisten cis Typen in meinem Umfeld die Tränen in die Augen treiben würden. Unter dem nicht-Passen leide ich genauso wie unter dem straight-Acting, der gekünstelten Dude-ness. Straight-Acting führt in meinem Fall nicht zum male Passing, aber zu einer gewissen Anerkennung meines trans Status. Es wird sichtbar, dass ich mir Mühe gebe, in Schemata zu passen. Wenn schon trans dann wenigstens richtig. Aha, dieses Wesen will männlich sein, ja das kann ich erkennen, sitzt ja auch immer breitbeinig, hat eine starre Miene, guckt anderen auf den Arsch usw. Aber ich will das nicht, ich kann nicht eine Männlichkeit vorspielen, vor der ich mich fürchte, wenn ich mit ihr allein in der U-Bahn sitzen muss, die ich nicht ernst nehmen kann, wenn sie mir in der Uni was erklären soll, die ich von diesem Planeten weglöschen würde, wenn ich könnte. Also kann ich mich auch weiterhin für den Nagellack entscheiden, wenn mir die Ciswelt schon das Meiste/Mindeste an Respekt und Möglichkeit da zu sein verwehrt.

Das Langweilige an Allem, was ich hier und in letzter Zeit schreibe ist, dass es die Strukturen kaum berührt. Ich spiegle das Hadern mit mir und meinem direkten, anfassbaren Umfeld wider, aber weiß nicht viel zu sagen über irgendwas, das größer und allgemeiner ist. Ich dokumentiere, wie ich unterliege und hoffe, dass es andere einen Schritt weiter bringt, damit sie ihr Unterliegen nicht mehr ganz so ausführlich dokumentieren müssen und stattdessen über etwas Interessanteres schreiben können. Einen Ausblick zum Beispiel. Vielleicht schreibe ich auch für mich selbst, mich, in der Zukunft. Ich beschwere mich jetzt soviel ich muss, damit es später irgendwann genug ist.

Über Misgendern
Misgendern funktioniert wie Schulnoten geben. Machst du es falsch, das binäre trans Dings, kriegst du auch ein falsches Pronomen (Note 6!). Machst du es richtig, kriegst du Awkwardness und Vermeidung jeglicher Ansprache in liberalen Räumen oder das Pronomen „es“1 und Übergriffe in konservativen Räumen (3-). Schaffst du es, die biologistischen Vorannahmen deines Publikums zu erfüllen (wie das geht, ist größtenteils Magie, Cyborgmaßnahmen und ein kleines bisschen Verhalten nach dem Knigge von 1956) kriegst du als Belohnung das richtige Pronomen (1!). Das kannst du dann stolz wie ein Fleißbienchen vor dir hertragen.

Über Männlichkeit
Das Mainstream-Spektrum an männlichen Identitätsentwürfen, Werten, Zukunftsträumen, Raumeinnahme, Performance verursacht in mir Übelkeit, Angst, Irritation, Ohnmacht. Umso leichter begeistere ich mich für alle kleinen Schritte, die Leute unternehmen, um daraus auszubrechen. Jeder Typ, egal ob cis oder trans, mit Bikinioberteil oder Lippenstift kriegt von mir Probs. Kleine Handlungen, die bei einer Frau, egal ob cis oder trans, bei mir weder das warme Solidaritätsgefühl im Bauch hervorrufen noch spezielle Bewunderung. That’s fucked up. Doppelstandards. Typen, die in feministischen Räumen die ästhetischen Glanzlichter sind, die Sehgewohnheiten brechen, weil sie es können. Trotzdem will ich nicht, dass sie damit aufhören. Im besten Fall schieben sie die Rahmen auseinander, sodass mehr und mehr Geschlechtsentwürfe darin Platz haben.
Die kleine Insel dessen, was als Heteromann lesbar ist, lässt sich leicht verlassen, ein bisschen Glitzer im Augenwinkel, ein kleiner Schwung in der Hüfte und schon bist du knietief im Wasser der Frauisierung. (Dass das bisschen nasse Hose noch lange nicht für die allgemeine Akzeptanz als Frau ausreicht, ist klar.)

  1. Für manche ist „es“ auch das richtige Pronomen. Ob dann die als Beleidigung gemeinte Verwendung von „es“ angeeignet werden kann, muss jede_r selbst wissen. [zurück]

Irgendwas über Körper

Ich schreibe jetzt nur noch in ungegenderter Sprache und benutze dafür die Pronomen, die Anna Heger hier erklärt. Außerdem: Vorsichtshalber CW für Selbstverletzung.

Ich wälze mich lange hin und her, bevor ich etwas über trans poste. Das Sprechen ist zuerst ein Kleinbeigeben, das Anerkennen der Tatsache, dass ich nicht existiere, dass ich mich erstmal ersprechen muss. In diesem Fall erschreiben. Ich weiß schon länger, dass ich existiere! Aber oft sieht es nicht so aus. Auch muss ich, um mit euch zu sprechen, eure Wörter benutzen, unsere gemeinsamen Wörter, auch wenn sie nicht die richtigen sind, weil es nicht die richtigen gibt. Ich will doch einfach nur sein, aber das dürfen nur manche. Einfach sein! Da verpasst mensch vermutlich so einiges an vielschichtigen komplexen unauflösbaren Sachverhalten. Ich kann nicht einfach sein, also brauche ich Wörter.

Wörter, z.B. Mann, schwul, Junge, feminin, alt, müde, Schminke, Spitze, Samt, Seide, Muskeln, Mastektomie, Schmerz, Angst, schön, trans, Testosteron, Menstruation.

Ich bin aber keine Wörter. Ich bin Körper. Ich habe Körper. Ich mache Körper. Mein Körper ist ein Schlachtfeld. Als Kind hab ich Krusten von den Knien gepult, als Jugendliche_r bin ich mit der Manipulation kreativer geworden, jetzt flöße ich mir selbst Hormone ein, deren Verträglichkeit mir unbekannt ist, die der Staat mir verwehren will, deren Benutzung eine Grenzüberschreitung darstellt, sodass ich sie wie alle subversiven Drogen über obskure Wege bestellen und teuer bezahlen muss. Die mir bisher Stimmungsschwankungen, Muskelwachstum und enormen Hunger aber keine Erleichterung von der befremdlichen Verachtung für mein Aussehen beschert haben. Mein Körper, das Schlachtfeld, das irgendwann eine Art Gedenkstätte wird.
Wir sind einander die Spiegel und wir können es uns schwer machen oder ein bisschen leichter. Wir können einander labeln, aus Freund_innenschaft und Liebe, wir können einander von den Labeln befreien und wir können einander zwingen, noch mehr zu leiden, als wir es eh schon tun.
Ich will, dass ihr das macht, was ich noch nicht kann. Dass ihr mich seht, wie ich mich sehe. dass ihr nicht wartet, bis sich mein Körper euren Augen angepasst hat. Ich warte genug für uns alle, ich warte manchmal nächtelang haareraufend und rot vor Scham tagsüber in der Uni, und nichts ändert sich und das Dilemma zerreißt mich fast: Darauf warten, dass mensch sich der Norm wenigstens annähert, ein bisschen, vielleicht genug, um nicht jedes Mal beim Vor-die-Tür gehen 18mal die Kleidung zurecht rücken zu müssen, nicht bei jeder sozialen Interaktion innerlich darum flehen, dass den Mitmenschen nicht irgendwas hässliches Fehlgegendertes rausrutscht. Darauf warten, dass die Menschen mich so sehen, wie ich mich sehe, obwohl das bedeutet, sich an die repressiven Vorgaben unserer Sehnorm anzupassen.

Ich will dass ihr euren Blick ändert. Ich will, dass ihr aufhört, alle_s zu gendern als hinge euer Leben davon ab. Ich will, dass ihr merhmals hinschaut, in die Person, die euren Schulbus fährt oder eure Pausenbrote schmiert oder neben euch sitzt und eure Hand hält1. Ich will, dass ihr in xiesen Gesichtern mehr erkennt, als eins von zwei Geschlechtern. Ich will, dass ihr das Flimmern entdeckt, diese vielen Folien, die übereinanderliegen und einen Menschen zu ergeben scheinen, dier mehr ist als Mann oder Frau. Ich will dass ihr die Codes verlernt, bis ihr wie ich nur noch verwirrt seid von der stumpfen Unbeirrtheit, mit der die Meisten einander eins von zwei Geschlechtern zuweisen. Ich will dass es in euren Köpfen möglich wird, dass die Menschen, die ihr kennt oder nicht kennt, jetzt oder ganz plötzlich ein anderes Geschlecht annehmen; oder keins oder viele und dass ihr mit euren geschulten Augen das Geschlecht oder Ungeschlecht in euren Freund_innen verliert und wiederfindet. Wenn es sein muss, mehrmals pro Woche.

Ihr könnt nicht erwarten, dass ich die ganze Arbeit alleine mache, dass ich als einzige_r die Grenzen überschreite. Ihr müsst mir entgegen kommen. Wir haben schließlich nur einander.

  1. wem jetzt das feministische geländer der männerablehnung fehlt, dier kann sich ja umorientieren und menschen nach dominanz, raumeinnahme, gewaltvollem verhalten, interessantheit usw beurteilen und ggfs. sanktionieren. Separatismus ist nach wie vor leitlinie auf diesem blog. Aber separatismus geht nur nach selbsteinschätzung, wie die spendenbox auf der soliparty [zurück]

Einfach bloggen / Es geht vorbei

Schreiben. Warum hatte ich nochmal damit angefangen, warum habe ich aufgehört? Es ist nicht mehr so einfach wie es sich mal angefühlt hat, Meinungen und Urteile fälle ich nicht mehr so gerne und anstatt zu wüten akzeptiere ich nun vieles aus der Ferne. Der Grad zwischen Selbstfürsorge und Entpolitisierung scheint sehr schmal zu sein. Manche denken, jemand wie ich ist schon als bloßer Körper, als Existenz an und für sich eine politische Handlung, Politik auf zwei Beinen. Ich denke, jemand wie ich sollte sich nicht zu dolle ausruhen hinter dem Schutzwall der Ignoranz, der marginalisierten Positionen zusteht. Die Unsicherheit und Verletzbarkeit, die ich plötzlich habe, hat mich davon abgehalten, Sachen aufzuschreiben, die meine Texte vielleicht zum ersten Mal relevant für andere machen könnten. Absurd: Ich traue mich nicht zu schreiben, was ich denke und fühle und setze durch die Unsichtbarkeit meiner Unsicherheit die alte Erzählung von „Immer schon nur Fußball gespielt, immer schon kurze Haare gehabt, immer schon Junge gewesen“ fort. Dabei ist es unter anderem diese alte Erzählung, die mich so unsicher gemacht hat.

Es ist nicht mehr so einfach zu wissen, wie ich hassen und wen ich lieben will. Den Sommer über schrieb ich an einem Text der als Cis-Mann-Diss anfing, um festzustellen, dass es immer komplizierter wird, diesen Hass mit meinen aktuellen Erfahrungen abzugleichen: Heteroboys, die mich ohne mit der Wimper zu zucken gegen Cissexismus verteidigen, trans_ Freund_innen, die nach einem halben Jahr das blöde Pronomen noch nicht gebacken kriegen. Zugleich sind meine Erfahrungen solche, die keine_r in meinem Bekanntenkreis teilt und die ich nicht generalisieren kann. Kann ich sie politisieren? Ist ja eine klassische feministische Taktik: Das Private politisieren!

Jetzt, wo meine identitäre Verortung ins Wanken geraten ist, spüre ich die schützende Umarmung der mich bevorzugenden Strukturen wie noch nie. Auch wenn Mutti und Vati es nicht hinkriegen, meinen richtigen Namen (der, der nicht in meinem Ausweis steht, aber irgendwie in meinem Gesicht) benutzen, auch wenn Vati mir medizinische Eingriffe zu verbieten versucht und Mutti mir mitteilt, dass sie sich „als Mensch fühlt“ (nicht als Mann oder Frau), und darin den Wunsch an mich verbirgt, das bitte genauso zu tun, also bitte weiterhin mit dem zufrieden zu sein, was sie mir von Anfang an beigebracht haben; Frausein, Menschsein, also bitte keine Grenzen überschreiten, Transzendenz ist so Neunziger, aber Mama, die Neunziger sind doch wieder voll im Kommen, ja, mag sein, aber du bleibst unsere Tochter, ich hoffe, das macht dir nicht allzu viel aus. Auch wenn das Trans_phobie aus dem Lehrbuch ist, so zahlen sie mir doch Unterhalt, schicken mir Päckchen (mit Mädchenslip drin), besuchen mich und versuchen teilzuhaben an den Teilen, die ich bin.
Auch wenn die Leute an meiner Akademie größtenteils dumm sind und sich fragen, warum ich nicht aussehe wie ein Junge, sondern genauso wie vorher auch, auch wenn sie wie Lemminge alle die gleichen Sätze in mein Gesicht sagen oder schlimmere Sätze in die Gesichter meiner Freund_innen, auch wenn ich weiß, dass ich das Gerücht des Monats, wenn nicht sogar des Sommers war, so werde ich doch nicht angespuckt oder bedroht und bleibe das Lieblingskind meines Mentors.
Die erste Hetenhochzeit, die an mich herangetragen wurde, in diesem Sommer, habe ich vermieden. Die Braut, eine alte Freundin, wollte wirklich gerne, dass ich komme und beteuerte, dass sie die Hochzeit nicht feiert, weil ein Mann und eine Frau ihren Erfolg in der heterosexuellen Kultur zur Schau stellen wollen, sondern weil sie von ihren Lieben und Verwandten umgeben sein mag. Ich habe mich immer noch nicht getraut, zu erklären, warum ich nicht gekommen bin. Dass ich nicht nur Angst hatte vor der misgendernden Menge aus Heterogästen, verständnisvoll-mitleidigen Liberalen, verwunderten lesbischwulen Cismenschen und weltoffenen Künstler_innen, sondern dass ich enttäuscht bin und wütend, dass überhaupt Menschen heterosexuell heiraten, dass sie dieses große, wundervolle Fest nicht zu Ehren ihrer Lieben und Verwandten abhalten, sondern zu Ehren dieser mörderischen Kleinfamilienkultur, die in ihrer Konsequenz mich und meine Existenz und auch die Existenz der meisten meiner Freund_innen ablehnt, stört, verhindert, verletzt und langweilt.

Es wird schwieriger, gerade Linien zu ziehen, jedenfalls im übertragenen Sinn. Boyish Girl und girly Boy sind meilenweit voneinander entfernt, im Spiegel, aber nicht in den Augen der Leute. Es ist komisch, dass ich mir einen eindeutig männlich konnotierten Namen ausgesucht habe, den jetzt aber die meisten Leute nicht richtig verstehen und (wohlmeindend?) versuchen, einen weiblich konnotierten rauszuhören. Ich denke, dass sie sich Bartstoppeln und eine tiefe Stimme wünschen. Vermutlich wissen sie das nicht. Vielleicht wollen sie das gar nicht wollen, aber haben noch nie darüber nachgedacht. Ich sehe Grautöne, wo sie schwarz und weiß erkennen. Andere sehen sogar Farben.

Obwohl ich jetzt der Bruder von jemand bin, sind es immer noch die Bruderschaften, die mir am meisten Angst machen. Bromances, Männerbünde, Herrensalons: In ihrer Vereinigung sind sie stark, die Typen, und treffen Entscheidungen über meinen Körper und die Körper meiner Freund_innen. Ich hasse Männer, ihre Augen sind leer und ihre Körper funktionieren. Ich bin keine Frau, leider und zum Glück, aber ich kann auf keinen Fall werden wie sie. Ich kann nicht zu ihnen gehören. Vielleicht werde ich ein heimlicher Verräter, jemand, der aussieht wie ein Mann, aber alle Bruderschaften verweigert und sabotiert. Naja. Was das bringen soll? Gute Frage. In ein paar Jahren werde ich ein dünner weißer Junge mit Lippenstift sein, der Filme macht und schöne Klamotten anhat, eine Jungschwuppe, die für ihre Androgynität gefeiert wird, weil ihr Körper die meisten Normen nicht in Frage stellt. Jemand, der in queeren Räumen Frauisierten den Platz wegnimmt, weil männliche Privilegien sich am Ende doch wieder nach oben wurschteln. Was mache ich damit?

Ich leiste es mir, Freund_innenschaften aufs Spiel zu setzen, wenn ich einfordere, dass Leute schnell und uneingeschränkt schnallen, dass ich nicht mehr die sondern der Alte bin. Ich habe schon vor Jahren meine Kreise verkleinert und feministisiert neugezogen; Leute um mich rum wissen, dass es Trans_ gibt und wissen auch, dass sie mir nicht reinreden dürfen, in mein Balancieren um etwas, das sich gut anfühlt.
Ich bin nicht depressiv und das geht jetzt schon fast zwei Monate so und es fühlt sich an, als könnte ich mit dem Leben anfangen. Ich wohne gerade in einem feministischen Kollektiv, in Stockholm, unter unserem Haus führt ein Steg ins Meer, nebenan ist der Wald, and den Wänden hängen Bilder von Vulven und feministischen Freund_innen, die irgendwo verstreut leben. Ich arbeite viel und raste viel, ich blicke in die Zukunft und was nicht alles. Ich hätte nie gedacht, dass es mal soweit kommen würde, dass ich mal glücklich auf einem Sofa sitze und einfach blogge. Ich habe jetzt ein Tattoo auf dem Unterarm, da steht „Es geht vorbei“ und das hat sich bisher immer als wahr herausgestellt: Die Awkwardness wird zum befreiten Auflachen, die Dysphorie zu einer Art von Zufriedenheit, der Taumel zum Couchfläzen, der Hangover zur Nüchternheit, die Übermenschung zur Einsamkeit und die Einsamkeit zur Freund_innenfreude. Mein Körper wird zu meinem Körper, der Männerhass bekommt neue Strategien und die Angst wird Ironie, die alles Böse zertrümmern kann. Es geht vorbei. Ich lebe. Fuck yeah.



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